In
memoriam Paul Wolfrum
1943 - 1990
Am
7. November 2003 wäre der Bariton Paul Wolfrum 60 Jahre alt geworden. Dieser
Tag erinnert an eine nicht nur für Linz, sondern international bedeutende
Künstlerpersönlichkeit. In herzlichem Gedächtnis ist das langjährige
Ensemblemitglied des Linzer Landestheaters auch wegen seines besonders
liebenswürdigen Wesens. Seine Witwe Christiane Wolfrum schrieb über seine
Karriere folgende Kurzbiographie für uns:
Paul wurde in Kitzbühel geboren und schloss die Mittelschule in Steyr 1961 mit der Matura ab. Er hat damals schon die Abstecher des Landestheaters Linz mit großem Interesse verfolgt und auch mit dem ersten Gesangsunterricht begonnen.
Viele wichtige Partien seines Fachs hat Paul Wolfrum in Linz erarbeitet (Guglielmo / COSÌ FAN TUTTE, Figaro / DER BARBIER VON SEVILLA, Belcore / DER LIEBESTRANK, Olivier / CAPRICCIO, Graf/FIGARO, Herr Fluth / DIE LUSTIGENWEIBER, Marcello / LA BOHÈME, Papageno, Barbier / DIE SCHWEIGSAME FRAU u.v.a.) und sein Engagement für zeitgenössische Musik war groß: Peter Ronnefelds DIE AMEISE, Gottfried von Einems DER ZERRISSENE und die Uraufführung von Helmut Eders DER AUFSTAND.
Neben dem Technik-Studium intensivierte er gleichzeitig seine musikalische Ausbildung. Er erhielt privaten Unterricht bei Johanna Willimsky und schloss die Ausbildung am Konservatorium Wien 1967 mit Auszeichnung ab. Schon das erste Vorsingen war erfolgreich: Kurt Wöss engagierte Paul Wolfrum ab der Spielzeit 1967/68 an das Linzer Landestheater, Melot in TRISTAN UND ISOLDE war sein Debüt.
Auch dem Konzertbereich hat sich Paul Wolfrum intensiv gewidmet. Liederabende (oft mit seinem Freund Roman Zeilinger als Begleiter) waren sein großes Anliegen. Auch hier hat er mit Uraufführungen von Liedern, etwa von Balduin Sulzer, Impulse gesetzt.
1978 wurde Paul Wolfrum an die Wiener Staatsoper engagiert und hatte sein Debüt mit Papageno. Höhepunkte dieser Jahre waren die legendäre Carmen-Produktion unter Carlos Kleiber und Franco Zeffirelli mit Plácido Domingo, sowie die Teilnahme am ersten Japan-Gastspiel der Staatsoper mit Harlekin/ARIADNE unter Karl Böhm. Auch José Carreras, Agnes Baltsa, Piero Cappuccilli und viele andere große Interpreten waren seine Partner.
1982 kam der Ruf nach Berlin an die Deutsche Oper, auch hier war der Papageno die Debütpartie. Das breite Repertoire des Künstlers wurde mit weiteren wichtigen Partien ergänzt (z. B. Zettel in Brittens DER SOMMERNACHTSTRAUM, Fra Melitone in LA FORZA DEL DESTINO). Die Zusammenarbeit mit großen Regisseuren wie Götz Friedrich, Hans Neuenfels, Otto Schenk und wichtigen Dirigenten wie Horst Stein, Giuseppe Sinopoli, Heinrich Hollreiser, Jesús López Cobos haben die künstlerische Persönlichkeit entscheidend weiterentwickelt.
Die Konzertaktivitäten haben sich von Berlin aus international ausgeweitet. Einladungen zu Festivals und Gastspielen folgten, musikalische Beziehungen auch im Lied-Bereich haben sich intensiviert. Hinzu kam noch die Zuwendung zur Musik Johann Sebastian Bachs. Viele Plattenproduktionen entstanden, u. a. unter Herbert von Karajan.
Doch die Linzer Zeit war nicht vergessen. Im Frühjahr 1990 hätte Paul Wolfrum wieder mit Roman Zeilinger Liederabende geben wollen (u. a. am 19. Mai 1990 einen Benefiz-Liederabend "für ein Linzer Musiktheater"). Sein plötzlicher Tod am 16. Februar 1990 hat dies und auch die geplante Rückkehr nach Wien verhindert.