#LINZLIEBTSEINTHEATER - 29. Sitzung des Gemeinderates im alten Rathaus

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Ein subjektiver Stimmungsbericht:

Für 14 Uhr war am Donnerstag, 6. Dezember 2018, eine Gemeinderatssitzung anberaumt. Die Zuschauertribüne, die „Galerie“ des Saales, die Interessierten am politischen Geschehen der Stadt die passive Teilnahme an Gemeinderatssitzungen ermöglicht, war – wie dies selten der Fall ist – nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern Trauben von Menschen versuchten an den Zugängen zur Galerie auch einen Blick hinunter in den Saal zu erhaschen.

Neben Medienvertretern wollten viele Mitarbeiter beider Häuser des Landestheaters wie Bühnenkünstler, Chorsänger, TänzerInnen, AssistentInnen und Bühnenarbeiter dem „Trauerspiel“, das nun ablaufen würde, beiwohnen.

Der Ausgang des Politspiels war ja von vornherein klar: der sogenannte „Theatervertrag“ würde seine Aufkündigung durch die Stadt erfahren. Gesichtet unter den Galeriebesuchern wurden auch GMD Dennis Russell Davies, Musikdramaturg Christoph Blitt und Tanzdirektorin Mei Hong Lin. Ein Betriebsrat des Landestheaters verteilte Zettel mit einem Appell an die Adresse „Gemeinderat“. Auf den Stühlen lagen 8 Seiten Tagesordnungspunkte der Sitzung.

Um 14.30 Uhr war es soweit! Punkt D war an der Reihe, die Abhaltung einer Aktuellen Stunde zum Thema „Theatervertrag – Linz nimmt Abstand von der einseitigen Kündigung des Theater- und Orchesterübereinkommens zwischen der Stadt und dem Land Oberösterreich“ über Antrag der Grünen-Gemeinderatsfraktion. Um es gleich vorwegzunehmen, bei der Abstimmung gegen 16.00 Uhr wurde der Ausstieg vom Theatervertrag beschlossen. Mit betretenen Gesichtern, trotz des Gefühls der Zugehörigkeit zu einer Solidargemeinschaft, verließen die Galeriebesucher den Schauplatz eines Kunst- und Kulturmachtspiels am Schachbrett, wie Felix Eypeltauer (Neos) es nannte; angemerkt sei, dass es dabei nicht um Züge sondern um Geldflüsse von der Stadt zum Land und umgekehrt (die im Übrigen nicht nur die Kulturinstitutionen betreffen) ging – im konkreten Falle um einige Millionen Euro, die die Stadt in Hinkunft nicht mehr wie vor langer Zeit vereinbart an das Landestheater weiterzugeben willens war. Uneins waren sich die Redner ja auch über den Zeitpunkt des Bekanntwerdens der „Aufkündigung“; die über 1.000 Landestheaterbediensteten hatten diese jedenfalls erst vor zweieinhalb Wochen erfahren, was für die Organisatoren der Unterschriftensammlung gegen die „Aufkündigung“ eine Herausforderung war.

Bevor noch zu Beginn des Verhandlungspunktes D die Redner der einzelnen Fraktionen ans Rednerpult traten, hatten drei rote Aktenordner und zwei rote Tafeln in Plakatgröße, die in den Saal gebracht wurden, für Aufmerksamkeit gesorgt. In Weiß trugen die Tafeln die Aufschrift:

Unterschriften-Aktion
#LINZLIEBTSEINTHEATER
21.603

Die kleinere Tafel wurde von den Gegnern der „Aufkündigung“ zum Rednerpult mitgenommen und auf dieses gut sichtbar aufgestellt. Die etwas größere Tafel, mit weißer Umrandung, lag auf den drei Aktenordnern, die die 21.603 Unterschriften enthielten.

Zu den Reden ist zu sagen: wie sich die Wortwahl je nach Fraktionszugehörigkeit und auch die Reaktion der Galeriebesucher bei Befürwortung der Redeinhalte glich! Die Galeriebesucher verzögerten immer wieder durch anhaltendes heftiges Klatschen den Fortgang der Gemeinderatssitzung erheblich, bei ohnehin gereizter Stimmung im Plenum!

Redner waren Mitglieder aller im Gemeinderat vertretenen Parteien. Je nach Parteizugehörigkeit sprachen die Redner von einem katastrophalen gesellschaftspolitischen Signal, vom Anstreben einer gerechten Gesamtlösung, vom Messen mit zweierlei Maß und der Notwendigkeit endlich zu handeln, vom hohen Imageverlust, den die Stadt Linz durch die mediale Berichterstattung, auch im Ausland, schon erlitten hätte, von der Verantwortungslosigkeit gegenüber den in Stich gelassenen tausend Landestheaterbediensteten, vom Herauspicken des Theatervertrages aus einem Maßnahmenpaket als Geldquelle, vom Sinneswandel der Grünen, die ja noch 2004 für einen Ausstieg aus dem Theatervertrag votiert hätten, vom Mehrwert des Landestheaters für die Stadt, vom erst kürzlich vorgenommenen Entzug von Geld fürs Landestheater durch das Land, und, im Beitrag des Bürgermeisters, von „Schieflagen“ – dieses Wort war Spitzenreiter der Debatten! Beizukommen sei diesen durch Neustrukturierung und auch Neuregelung beim Brucknerorchester. Seine Hand sei ausgestreckt… Wie der Autorin dieses Berichtes scheint, war aber der „Gewinner“ des Spiels – Bürgermeister Klaus Luger –am nächsten Tag schon wieder ausgehebelt, als Landeshauptmann Thomas Stelzer in seiner Rede bei der Verleihung der Kulturpreise im Steinernen Saal des Landhauses festhielt, dass das Land ÖO den Entfall kompensiere.

Heide Stockinger
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