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Zwei neue Ehrenmitglieder


Laudatio von Intendant Rainer Mennicken:

Nun ist das Haus eröffnet, liebe Gäste. Es hat seine Feuertaufe mit einer bejubelten Serie von Premieren und Festlichkeiten, mit Konzerten, Gastspielen und Tagen der Künste bestanden. Wir spüren, wie sehr dieses Haus unser Lebensgefühl hebt. Wir genießen die ersten Früchte jahrzehntelanger politischer und medialer Überzeugungsarbeit, einer rundum gelungenen Bau-Errichtung und mehrjähriger künstlerischer Vorbereitung.  
Halten wir also Ernte Dank - mitten im Mai! Warum auch nicht? Wir danken ja nicht der Natur oder den jahreszeitlichen Göttern. Wir danken der politischen Kultur in diesem Land sowie den vielen Mitstreitern, die sich für erweiterte Perspektiven der Musik, der darstellenden Künste und des freien kreativen Geistes eingesetzt haben. Beispielhaft soll hier von zwei Menschen die Rede sein, die von Anbeginn dabei waren und über die Jahre mehr und mehr Verantwortung übernommen haben. Wenn es jenseits der Politik, der Architektur, der Medien- und der Theaterwelt Persönlichkeiten gibt, deren Namen für uns alle mit dem Projekt verbunden sind, so handelt es sich um Professor Dr. Gerhard Ritschel und seine Frau Gerda.  
In Italien, von wo bekanntlich die Oper einst ihren Siegeszug um die Welt antrat, bezeichnet man Eheleute, die über lange Jahre unverbrüchlich, treu und konsequent einen gemeinsamen Lebensweg gehen, gerne als „eisernes Paar“. Gerda und Gerhard Ritschel gehen diesen Weg im fünften Jahrzehnt miteinander. Wenn auch nicht von Anbeginn klar war, worin er gipfeln würde: spätestens seit Gründung des Vereins Freunde des Linzer Musiktheaters gab es ein Ziel – und zwar eines von öffentlichem Interesse. Sie haben es mit Hingabe verfolgt. Zuweilen mit zusammengebissenen Zähnen, manchmal am Rand der Verzweiflung. Meistens aber in ebenso elegantem wie beeindruckendem Zusammenspiel ihrer beider Talente: Beharrlichkeit und Sorgfalt, Beredsamkeit und Charme, Begeisterungsfähigkeit und Überzeugungskraft. Heute ist das Ziel erreicht und wir bewundern die beiden als Symbolpaar für eine Kulturinitiative von historischer Tragweite - LA COPPIA FERRA!
Die Freude an Musik, Gesang, Orchesterklang war ihnen wohl in die Wiege gelegt. Von Jugend an aber haben beide zudem das Bedürfnis entwickelt, ihr Interesse für die Künste des Musiktheaters mit anderen zu teilen und gerade jüngere Menschen mit dem Opernfieber zu infizieren. Ob als Pädagoge oder im Chorgesang, beim Klavier- oder Zitherspiel, bei Theaterbesuchen in Linz, Wien, Salzburg und ganz Europa, in der Jeunesse musicale, als Musik- und Theaterkritiker oder als Laienspielerin – immer deutlicher kristallisierte sich ihrer beider voneinander unabhängig entstandener idealer Lebenszweck heraus: Fördern und Fordern, was den Menschen mehr und intensiveres Erleben von Kunst und Kultur möglich macht. Und als sich die Beiden dann Mitte der Sechziger Jahre bei einer musikalischen Sommerwoche in Tirol zum ersten Mal begegneten muss ihnen blitzartig klargeworden sein dass sich diesem Lebenszweck im Duett doppelt so wirksam frönen lässt wie solistisch. Von da an nahm das Schicksal seinen Lauf…
Schon zu Gründungszeiten des Vereins Mitte der Achtziger Jahre gehörten sie in den inner circle der Aktivisten. Ob Altlandeshauptmann Dr. Josef Ratzenböck, Professor Leopold Mayer als erster Präsident, der damalige und noch heute dieses Amt führende Kulturreferent der Landesregierung, Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, die Intendanten Alfred Stögmüller, Roman Zeilinger und Michael Klügl, der junge Franz Welser-Möst und später Dennis Russell Davies als Schirmherr – wer immer sich für das Projekt exponierte hatte Gerhard und Gerda Ritschel an seiner Seite. Mit nicht enden wollender Energie haben sie den Dauer- und Hürdenlauf durchgehalten. Gerhard Ritschel wurde 2002 Präsident (seine Frau war seit Jahren Leiterin des Sekretariats und Schriftführerin) in der wohl schwierigsten Phase des Vereins nach der Volksbefragung und dem Scheitern des Projekts Theater im Berg. Es ist nicht zuletzt ihrem eisernen Festhalten an der großen Idee zu verdanken, dass in der Öffentlichkeit niemals der Eindruck entstehen konnte, es sei alles aus und vorbei. Und heute blicken sie beide auf all die mühseligen Unternehmungen, die beglückenden Sternstunden, die Wendepunkte im Schlechten wie im Guten zurück und – wissen vermutlich selbst am besten, was Herzblut und Ausdauer bewirken können. Mehr als sechstausend Mitgliedschaften haben sie verwaltet. Weitere fünftausend Adressen von Medien, Institutionen und Meinungsbildnern. Hunderte von Konzerten, Aktionen, Gutscheinverlosungen, Unterschriftensammlungen, Werbeständen, Info- und Diskussionsabenden, Kampagnen, Tombolas, Verhandlungen, Landhaus-Go-ins haben sie initiiert, organisiert, dokumentiert. Jahr um Jahr haben sie die Mitteilungsblätter des Vereins herausgegeben, flammende Appelle verfasst, politische Schachzüge ersonnen. Wie sokratische Bremsen sind sie wieder und wieder den Meinungsmachern und Entscheidungsträgern auf die Pelle gerückt. Dem Linzer Bürgermeister hat Gerda Ritschel in entspannter Stunde einmal schelmisch zugelächelt: „Ich war schon immer ein wenig das Mauserl, das Sie gezwickt hat, oder...?“ Und Franz Dobusch konterte ebenso lächelnd: „Nein, Sie waren schon eher der Stadtratz!“. Was übrigens ein interessantes Licht auf die Bewegung wirft. Sie ging nämlich durch alle Bereiche der Bevölkerung, durch Arbeiterquartiere, bürgerliche Wohnstuben, Künstlerkreise, Wirtshäuser und Festsäle. Die Freunde des Linzer Musiktheaters repräsentieren eine Volksbewegung, die nie elitäre Gedanken verfolgte. Gerhard Ritschel hat den Kern der Motivation selbst wohl am treffendsten formuliert: „Die Jugend hat ein Recht darauf, nicht nur materielle Werte überliefert zu bekommen. Kultur ist der Sinn des Lebens, und die Kunst besitzt ihre größten Werke im Gesamtkunstwerk des Musiktheaters. Und dieses Gesamtkunstwerk muss a l l e n Menschen zugänglich sein.“  
Es hat sich ein Lebenstraum erfüllt seit DIE RITSCHELS und wir alle in diesem herrlichen, glanzvollen Musiktheater platznehmen können. So betrachten sie es selbst. Das Werk ist getan. Es ist ein großes Werk. Viele haben daran mitgewirkt. DIE RITSCHELS aber stehen in der ersten Reihe derer, die sich für diese gewaltige Unternehmung verausgabt haben.  
Noch eins: mir ist aufgefallen, dass in den Reden und Kommentaren zum neuen Zeitalter der oberösterreichischen Theaterkultur recht häufig und ausführlich von Wirtschaftlichkeit die Rede ist, von Umweg-Rentabilität, von Alleinstellungsmerkmalen, Augenhöhe und Standortfaktoren... Das ist ja wohl auch alles richtig so. Gerhard Ritschel aber spricht - soweit ich das absehen kann fast als Einziger - vorsichtig, leise aber stetig, wieder und immer wieder von etwas anderem. Was er sagt zeigt, wo seine Überzeugung ihre Wurzeln hat. Was er sagt transportiert im Grunde, warum wir solche Ziele eigentlich verfolgen, warum wir Opern, Ballette, Schauspiele ersinnen und aufführen, wozu wir Romane schreiben oder Symphonien, weshalb wir Opernhäuser errichten um dann Eröffnungsprojekte zu riskieren, die völlig aus dem Rahmen des Üblichen fallen... Er wünscht sich, sagt er „dass dieses Gebäude und die darin gezeigten Aufführungen von den Menschen geliebt werden...“. Ja. Wir alle wollen für unsere großen Taten geliebt
werden. Selbst wenn es unbequeme oder sogar strittige Taten sind. Wenn alles gut geht verbindet uns die Liebe zum Theater – wohl nicht nur heute Abend. Im Vertrauen darauf, liebe Frau Ritschel, lieber Herr Professor, dass diese Liebe nicht allein auf Bestätigung vorgefasster Erwartungen baut sondern auf lebendiges Miteinander, dass sie offen ist für gegensätzliche Standpunkte, dass sie Risiko und Abenteuer zulässt und uns immer wieder zu überraschen vermag, möchte ich Ihnen im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landestheaters sowie des Bruckner Orchesters – und wenn ich darf, meine Damen und Herren, auch in Ihrem Namen – sehr herzlich Danke sagen.  
Die Urkunde, die wir nun überreichen trägt folgende Schrift:  
Prof. Dr. Gerhard Ritschel und Frau Gerda Ritschel haben sich als Musik- und Theaterenthusiasten um das kulturelle Leben im Land Oberösterreich hoch verdient gemacht – Gerhard Ritschel als Musikprofessor, Feuilletonist und langjähriger Präsident des Vereins Freunde des Linzer Musiktheaters, Gerda Ritschel als prägend wirkendes Vorstandsmitglied des Vereins und engagierte Kämpferin für die Idee eines neuen Musiktheaters.
Durch ihren unermüdlichen Einsatz haben sie Entscheidendes zum Gelingen eines Jahrhundertprojekts für Musik und Darstellende Künste in Österreich beigetragen. In Anerkennung ihrer Leistungen werden sie beide anlässlich der ERNTE DANK GALA am 14. Mai 2013 zur Eröffnung des Musiktheaters zu EHRENMITGLIEDERN DES LANDESTHEATERS LINZ   ernannt.

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