35 Jahre „Freunde des Linzer Musiktheaters“ am 17.9.2019

35 J. Hoffmann SDieser besondere Anlass führte Zeitzeugen, Wegbegleiter und zahlreiche Gäste am 17.9.2019 (genau 35 Jahre nach der Gründungsversammlung am 17.9.1984) im Foyer des Linzer Musiktheaters zusammen.

Unterstrichen wurde die Bedeutung durch die Anwesenheit von 3 Intendanten, 2 Ehrenpräsidenten des Vereins und dem Vor…vorgänger von Dr. Thomas Königstorfer, Geschäftsführer des Landestheaters und Finanzreferent des Vereins, der als Moderator durch den Abend führte. Grüße richteten Chefdirigent Markus Poschner und GMD Dennis Russell Davies aus, die an diesem Abend leider verhindert waren.

Ein ausdrucksvolles Video von Ulrike Skopec-Basta am Beginn ließ 35 Jahre Vereinsgeschichte im Zeitraffer passieren. In seiner Begrüßung stellte Präsident Peter Rieder dann eine anschauliche Gleichung auf:

29 Jahre Ringen um ein Musiktheater + 6 erfolgreiche Spielzeiten = 35 Jahre Verein. Er freute sich, die beiden Ehrenpräsidenten des Vereins LH a.D. Dr. Josef Pühringer und Prof. Dr. Gerhard Ritschel, die ehemaligen Intendanten Dr. Roman Zeilinger und Rainer Mennicken, Hausherrn Intendant Hermann Schneider sowie den früheren Verwaltungsdirektor Reg.Rat Fritz Breitenfellner begrüßen zu können und bedankte sich bei Dr. Thomas Königstorfer für die Übernahme der Moderation des Abends.

Herzlich willkommen hieß er den Festredner, Chefdramaturg der Volksoper Wien, Mag. Christoph Wagner-Trenkwitz, den das Linzer Publikum schon als Erzähler bei „On The Town“ auf der Bühne des Musiktheaters erleben konnte. Besonderen Dank sprach er den Publikumslieblingen und Jungensemble-Preisträgern, sowie der Studienleiterin Jinie Ka aus, die der Einladung gefolgt waren, diesen Abend musikalisch zu gestalten.

Ein Fest wird gefeiert und man hält eine Rede, so beschrieb Mag. Christoph Wagner-Trenkwitz, wie man zum Festredner wird, um dann in ebenso humorvollen wie kritischen Gedankenserpentinen über Kultur, moderne Medien und Freunde-Vereine zu sinnieren. Warum man von Linz längst nicht mehr nur den Bahnhof und die Linzer Torte kennt – wie Alfred Polgar von sich behauptete – liegt an der markanten Fassade eines wunderbaren Gebäudes, die man von Wien kommend, vom Zug aus entdeckt. Augenzwinkernd warnte er die Wiener vor dem Besuch des Linzer Musiktheaters, denn man wird neidisch. Seine auf den ersten Blick fast banale Aussage „Beim Publikum ist es das Wichtigste, dass es anwesend ist“ erweist sich als durchaus berechtigt, denn in Zeiten von Streaming und Kinoübertragungen wird das Publikum zur Abwesenheit erzogen. Publikum zu fordern, aber nicht zu überfordern, Menschen zu inspirieren und nicht zu belehren ist die Aufgabe von Theatermachern. Er betonte die Wichtigkeit der Vermittlungsarbeit von Freunde-Vereinen, ua. durch SonntagsFoyers oder der Wahl von Publikumslieblingen. Er gratulierte dem Linzer Musiktheater zu seinem Freunde-Verein und dem Verein zu seinem Musiktheater und schloss mit dem Ausspruch „Linz, hier muss man gewesen sein und wiederkommen“.

Seinen Dank an den Festredner verband Dr. Thomas Königstorfer mit einer, auf den ironischen Seitenhieb über die traditionelle Rollenverteilung im Verein bezogenen Warnung, er und Hermann Schneider würden für die nächste Generalversammlung die Christoph Wagner-Trenkwitz Torte backen.

Den Reigen der musikalischen Darbietungen eröffnete Gotho Griesmeier, Publikumsliebling 2017/18 mit einem gefühlvollen „Una lacrima“ von Gaetano Donizetti.

Als erste Zeitzeugen bat Dr. Thomas Königstorfer Georgina Szeless und Dr. Roman Zeilinger auf die Bühne. Gründungsmitglied Georgina Szeless erzählte in lebhafter Manier von der Aufforderung des damaligen Landeshauptmanns und Kulturreferenten Dr. Josef Ratzenböck „Gründet´s doch einen Verein“, seiner Empfehlung, nicht von einem Opernhaus, sondern von einem Musiktheater zu sprechen, um Schwellenängste zu vermeiden und welche Triebfeder Prof. Alfred Stögmüller darstellte.

Dr. Roman Zeilinger gestand, bei seinem Engagement von Linz ebenso wenig gekannt zu haben wie Alfred Polgar. Als Dirigent litt er unter den schlechten akustischen Bedingungen im Orchestergraben an der Promenade, die auch in einer Zeitungskritik ihren Niederschlag fanden „… und im Orchestergraben randalierte Roman Zeilinger“. Er würdigte seinen Vorgänger, Intendant Prof. Alfred Stögmüller, der immer die Flamme für ein neues Musiktheater am Brennen gehalten hat.

Ariana Schirasi-Fard, Publikumsliebling 2017/18 der Sparte Musical, die das Musiktheater leider Richtung Wiener Simpl verlassen hat, erinnerte mit einer Anekdote an die Abschiedsgala von Rainer Mennicken, bei der sie aufgrund von Kreislaufproblemen barfuß „Nur für mich“ aus „Les Miserables“ sang. Geklungen hat es wohl genauso schön und berührend wie an diesem Abend gut beschuht.

Fortgesetzt wurde die Gesprächsrunde mit Gerda und Prof. Dr. Gerhard Ritschel und LH a.D. Dr. Josef Pühringer. Von „Handlangerin“, wie sie selbst ihre Position in den Anfangsjahren beschrieb, wurde Gerda Ritschel zum „Stachel im Fleisch der Politik“, die bei manchen Kulturbeamten Panik auslöste. Als schönstes Erlebnis bezeichnete sie die Gleichenfeier, glücklich stimmt sie, dass durch den Verein viele junge Künstler gefördert wurden.

Eine bezeichnende Episode vom zähen Ringen steuerte Prof. Dr. Gerhard Ritschel bei. An alle 445 Gemeindekulturreferenten in OÖ wurden Briefe mit der Bitte um Unterstützung ausgesandt. 2(!) Antworten kamen, eine davon vom damaligen Trauner Kulturreferenten. Dieser Strohhalm wurde für Dr. Ritschel zur „Weltesche“ und zum Ansporn, niemals aufzugeben. Er schilderte die noch immer anhaltende glückliche Verwunderung, ob der Realisierung des Musiktheaters und die manchmal aufkeimende Angst, es könne alles nur ein Traum sein, aus dem man aufwacht.

LH a.D. Dr. Josef Pühringer, egal ob Strohhalm oder Weltesche, war von der Vision überzeugt und sieht sich in seiner Überzeugung bestätigt, dass aus der schwersten Geburt, die schönsten Kinder werden. Er dankte dem Verein, dem Ehepaar Ritschel und dem Ehepaar Rieder für ihren Einsatz, erinnerte daran, dass die Künstler auch am alten Standort bereits Großartiges geleistet haben und dankte den Steuerzahlern, denen er sich verpflichtet fühlte, für so viel Geld auch etwas Besonderes zu schaffen.

Matthäus Schmidlechner, Publikumsliebling 2014/15, erinnerte mit seinem Beitrag an den leider heuer verstorbenen Prof. Balduin Sulzer, Ehrenmitglied des Vereins. Die komödiantische Ader des Komponisten kam beim gekonnt köstlich interpretierten „Der Mausefall“ zur Wirkung.

Beeindruckende Erfolgsziffern präsentierte Dr. Thomas Königstorfer. Noch 6 Jahre nach Eröffnung nehmen 16.000 Menschen pro Jahr an Führungen teil. Dank gebührt Ing. Martin Schmidt für seine Tätigkeit als profunder Führer. Mit 325 – 370.000 Besuchern pro Jahr ist das Linzer Landestheater unter den Top Ten im deutschsprachigen Raum!

Intendant Rainer Mennicken bezeichnete es als „Gnade der späten Geburt“ Teil der Entstehung des Musiktheaters zu sein. Er berichtete vom Druck, neben vielen Bausitzungen auch noch den laufenden Spielbetrieb zu managen, den manchmal untergriffigen Formulierungen in der Presse, seiner „Zumutung“ bei der Stückwahl für die Eröffnung des Hauses bis zum emotionalsten aller Augenblicke, der Eröffnungsgala. Die Freundschaft, die den Verein nach Erreichen des Ziels mit dem Musiktheater verbindet, geht auf seine Anregung zurück. Intendant Hermann Schneider schilderte realisierte Visionen, wie den erfolgreichen Ausbau der Musicalsparte, seinen Anspruch, Qualität vor Quantität, was sich in Preisen, Auszeichnungen und der Bereitschaft bekannter Häuser, mit Linz zusammen zu arbeiten, niederschlägt und dankte dem Verein für die 29 Jahre Öffentlichkeitsarbeit, die das Musiktheater bereits vor Eröffnung profiliert haben.

Ein erfreuliches Wiedersehen gab es mit Elisabeth Breuer, Jungensemble-Preisträgerin 2013/14 und Publikumsliebling 2015/16. Eindrucksvoll sang sie „Ah non giunge“ aus „La sonnambula“ und die Besucher freuten sich über die Begegnung mit einem Werk Vincenzo Bellinis im Musiktheater.

Präsident Peter Rieder erzählte von den Herausforderungen des Vereins, die Mitglieder zu halten, Jugend anzusprechen, den Bestrebungen für die Zukunft, wie die Gestaltung einer neuen, zeitgemäßen Homepage und der Bewahrung der Vergangenheit durch die Herausgabe einer Theaterstatistik des Landestheaters, basierend auf in akribischer Arbeit von Hofrat DI Eduard Barth vom Staub befreiten Unterlagen, von Ulrike Skopec-Basta EDV-gerecht aufbereitet. Mit der anhaltenden Motivation im Team und der Unterstützung der Mitglieder wird der Verein auch in Zukunft einen Beitrag zur Kultur in Oberösterreich leisten.

Den musikalischen Schlusspunkt setzten Daniela Dett, Publikumsliebling Sparte Musical 2018/19 und Gernot Romic Jungensemble-Preisträger 2018/19 mit einem emotional dargebrachten Duett „As long as you´re mine“ aus „Wicked“, wie bei allen Darbietungen hervorragend begleitet von Studienleiterin Jinie Ka.

Bei Brötchen und Bier fand der stimmungsvolle Abend, der bei den Besuchern merklich schöne Erinnerungen und Freude geweckt hat, seinen Ausklang.

Ulrike Skopec-Basta
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Anlage:
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